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Idee und Entstehung

Die Idee

Die Gründung eines Turnvereins im ehemaligen Teutschneureut geht auf das Jahr 1893 zurück. In eine Zeit, in der Könige und Fürsten das zersplitterte Deutschland regierten und in der die Industrialisierung einen immer schnelleren Verlauf nahm. Wenn wir nach dem geistigen Grund suchen, auf dem das Turnen steht, müssen wir zunächst auf den Mann zurückkommen, der das Turnen schuf und den man in aller Welt den 'Turnvater' nennt: Friedrich Ludwig Jahn. Wir wissen, Leibesübungen hat es auch vor Jahn gegeben. Aber Friedrich Ludwig Jahn war es, der das deutsche Turnen nach Wort, Werk und Inhalt gemacht und erdacht hat und der 1811 mit seinem Turnen auf die Hasenheide in Berlin hinauszog und diese Leibesübungen aus der Schule herausführte und in der Öffentlichkeit für alle eingerichtet hat. Aus der Not des deutschen Volkes war das Jahn'sche Turnen als Weg zur äußeren und inneren Freiheit entstanden. Das Dienen am Volk war sein Ziel gewesen und geblieben. Der Gesamtbildung des Menschen fühlte er sich verpflichtet, dem Leib, Geist und der Seele.

Der Ruf nach Einheit, Freiheit und Gerechtigkeit in Stadt und Land führte zur Gründung von Turnvereinen. Daneben entstanden Feuerwehren und Bürgerwehren, an denen die Turner maßgeblich beteiligt waren. Ein Zeichen, daß sich Turner nachdrücklich für das Gemeinwohl eingesetzt und Bürgersinn bewiesen haben. 1816 wurden die ersten Turnvereine gegründet. 1820 wurde in Preußen die Turnsperre verhängt und das Turnen verboten. Von 1844 - 1849 war eine zweite Welle von Vereinsgründungen festzustellen, die mit den Freiheitsbestrebungen um 1848 in engem Zusammenhang standen.

In Baden waren es Studenten in Heidelberg, die bereits 1816 das Turnen pflegten. Der erste Turnverein nach Aufhebung der Turnsperre wurde 1834 in Pforzheim gegründet. 1836 hatte die Badische Regierung Leibesübungen als einen notwendigen und unentbehrlichen Bestandteil der männlichen Erziehung anerkannt. 1869 wurde in Karlsruhe die Badische Turnlehrerbildungsanstalt eröffnet und Alfred Maul als Direktor berufen. Damit begann für das Schulturnen in Baden ein neuer Abschnitt. Alfred Maul, der als 'Badens Turnvater' bezeichnet wird, wurde 1871 erster Turnwart des Oberrheinischen Turnerbundes und war von 1887 - 1895 1.Vorsitzender der Deutschen Turnerschaft. Er führte 1875 das Riegenturnen bei Tumfesten ein, was als Geburtstag des Badischen Vereinsturnens anzusehen ist. In den Vereinen herrschte nicht nur fleißiger Turnbetrieb, sondern auch ein reges geselliges Leben, das in regelmässigen geselligen Veranstaltungen seinen Niederschlag fand. Das Jahn'sche Gedankengut des vaterländischen Turnens und die Forderung nach Einheit und freiheitlicher Verfassung zeigte starke politische Züge, was in den Vereinen oft zu Spannungen und Spaltungen führte. In vielen Vereinen wurde mit der Zeit auch das Turnen der Knaben und Mädchen aufgenommen und 1846 in Mannheim sogar ein Frauenturnverein gegründet. In der weiteren Entwicklung der Turnbewegung wurde 1868 in Weimar die Deutsche Turnerschaft gegründet. Ein Traum ging in Erfüllung.

Gesellschaftspolitische Auseinandersetzungen zwischen bürgerlichen Vereinen und den Arbeitern führten zur Spaltung und 1893 in Gera zur Gründung des Arbeiter-Turnerbundes. Dies hatte auch Auswirkungen auf die Vereine und etliche traten aus der Deutschen Turnerschaft aus oder spalteten sich und schlossen sich dem Arbeiter-Turnerbund an. Die parteipolitische Neutralität zu wahren, war gerade in der Weimarer Republik mit dem Vielparteienstaat oft schwierig. Um die Jahrhundertwende hielt das englische Modell des Leistungsvergleiches und Wettkampfes Einzug in Deutschland und stieß auf das deutsche Modell des Jahn'schen Turnens als volkserziehendes Prinzip. Daraus entstand eine Konkurrenzsituation zwischen Turnen und Sport, die zu Spannungen zwischen Turnvereinen und insbesondere den inzwischen gegründeten Fußballvereinen führte. Die 'reinliche Scheidung' zwischen Turnen wurde 1946 der badische Turnverband und in Südbaden durch Einschränkungen der französischen Besatzungsmacht für das Turnen erst 1948 der Landesturnverband Südbaden gegründet. Erst 1967 haben sich die beiden Verbände zum Badischen Turnerbund vereinigt. Im Handball und Fußball gibt es heute noch einen nordbadischen und südbadischen Verband.

Auf Bundesebene kam es 1947 zur Bildung des Arbeiterausschusses Turnen und 1950 in Tübingen zur Gründung des Deutschen Turner-Bundes. Angesichts der allgemeinen Bemühungen um einen sozialen Frieden waren ehemals führende Arbeitersportler bereit, zugunsten einer einheitlichen, demokratischen Turnbewegung auf eine eigene Organisation zu verzichten. Neben dem Turnerbund bildeten sich für die einzelnen Sportarten wie z.B. Fußball, Handball, Leichtathletik ebenfalls eigene und selbständige Fachverbände, die auf Länderebene in den Landessportbünden und auf Bundesebene im Deutschen Sportbund als Dachorganisation zusammengeschlossen sind und sich bis 1992 mit über 23 Millionen Mitglieder zur größten Personenvereinigung in Deutschland entwickelt hat

  

Entstehung

Eingebettet in die Organisation der Turn- und Sportbewegung hat sich die Turngemeinde Neureut entwickelt. Aus dem Zusammenschluss des 1893 gegründeten Turnvereins Teutschneureut und des 1905 aus einer Spaltung hervorgegangenen Turnerbundes Teutschneureut ist 1919 die Turngemeinde Neureut mit dem Gründungsdatum 1893 entstanden. Die Welle der Jahn'schen Leibesübungen hatte nun auch die Landgemeinde erfasst, nachdem in den Städten schon 1846 und 1860 und in den Nachbargemeinden Knielingen und Welschneureut 1891 bzw. 1892 Turnvereine gegründet wurden. Als Zweck des Vereins ist in der damaligen Satzung festgelegt: "Gelegenheit und Anleitung zu geregelten Turnübungen und Turnspielen zu geben, als Mittel zur körperlichen und sittlichen Kräftigung, ferner deutsches Volksbewusstsein zu pflegen und seinen Mitgliedern gesellige Unterhaltung zu bieten." Beide Vereine, Turnverein Teutschneureut (1893) und der Turnerbund (1905), entwickelten rege Aktivitäten und waren im Turnen erfolgreich. Der Turnverein erbaute eine vereinseigene Turnhalle, die er 1913 fertigstellen konnte. Der Turnerbund legte im Tiefgestade bei der Sandgrube einen Turn- und Spielplatz an, den er am letzten Friedenssonntag vor Ausbruch des 1.Weltkrieges am 26. Juli 1914 einweihen konnte. Der Krieg schränkte durch die Einberufung vieler aktiven Turner den Turnbetrieb stark ein. Der Verein hatte 34 Tote und 5 Vermisste zu beklagen. Ihnen zu Ehren wurde 1921 eine Erinnerungstafel an der Turnhalle angebracht. Nach dem 1.Weltkrieg hatte man erkannt, dass mit der Trennung in zwei Vereine innerhalb einer kleinen Gemeinde der großen Turnsache nicht gedient ist. Auf Anregung des Turnvereins, mit Wilhelm Baumann als 1. Vorsitzenden und Ludwig Glutsch als Schriftführer, kam es am 10. Mai 1919 zur Vereinigung des Turnvereins und des Turnerbundes zur Turngemeinde Neureut 1893. Der Turnverein konnte die neue Turnhalle und der Turnerbund den neuer Tum- und Spielplatz als Vermögenswerte einbringen. Damit waren gute Voraussetzungen gegeben, die zu einer starken Aufwärtsentwicklung des Vereins beitrugen.

1920 hat die Deutsche Turnerschaft das Handballspiel eingeführt und der Verein bildete eine Handball-Mannschaft, die bereits in den ersten Jahren mit der Badischen Meisterschaft und der Vize-Meisterschaft von Süddeutschland große Erfolge errang. Im Jahre 1920 wurde auch das Schülerturnen aufgenommen; der 1. Schülerturnwart war der damalige 1.Turnwart und spätere 1. Vorsitzende Jakob Glutsch. Mehr und mehr breitete sich das Turnen auch beim weiblichen Geschlecht aus und im Jahre 1922 wurde im Verein das Frauenturnen eingeführt. Der 1. Frauentumwart war Emil Meinzer. Wie aus der Zeittafel und den Berichten der einzelnen Abteilungen ersichtlich, nahm der Verein trotz schwieriger wirtschaftlicher Verhältnisse in den 20er und 30er Jahren einen steten Aufschwung. Im Turnen war es Heinrich Merz, der 1930 1.Turnwart wurde und den Verein zu großen Erfolgen führte.

Mit der Machtübernahme durch Adolf Hitler am 30. Januar 1933 ergaben sich auch für die Vereine einschneidende Veränderungen. Nach der am 27.09.1933 beschlossenen neuen Satzung bezweckte der Verein die leibliche und seelische Erziehung im Geiste des Nationalistischen Volksstaates. Mitglied konnten nur Unbescholtene und Arier werden. Das Führerprinzip wurde eingeführt, d. h. die Mitglieder wählten nur den Vorsitzenden, d.h. den Vereinsführer, dieser ernannte die übrigen Mitglieder des Turnrates. Die Jugendabteilungen in den Vereinen  gingen in der Hitlerjugend auf. Anstelle von Kreismeisterschaften wurden Bann-Meisterschaften und anstelle Badischer Meisterschaften Gebiets-Meisterschaften durchgeführt. Typisch für den Einfluß der NSDAP auf die Vereine war die Tatsache, dass der von der Mitgliederversammlung gewählte Vereinsführer vom Ortsgruppenleiter der Partei zu bestätigen war. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges am 1. September 1939 reduzierte durch die Einberufung vieler Aktiven den Turn- und Spielbetrieb auf ein Minimum. Dazu kam, dass ab 1938 die Turnhalle für Westwallarbeiter, Aussiedler u. a. beschlagnahmt war. Der Verein widmete sich während des Krieges hauptsächlich dem Handballspiel. Ludwig Glutsch war es, der den Verein zusammenhielt und sich insbesondere der Jugend annahm. Er hatte durch gelegentliche Heimatbriefe auch den Kontakt zu denen gehalten,  die zusammen mit der Herren-Mannschaft bis etwa Mitte 1944 den Spielbetrieb aufrecht erhielten. Ab dieser Zeit verhinderten weitere Einberufungen, aber vor allem die Luftangriffe, die Austragung von Spielen. Als Folge des Krieges war die schwere Beschädigung der Turnhalle durch Artilleriebeschuss und die Unbespielbarkeit des Sportplatzes durch Bombeneinschläge festzustellen. Der Verein hatte 41 Tote zu beklagen. Ihnen zu Ehren und zu Erinnerung an die Toten des Vereins wurde 1960 beim Sportplatz ein Gedenkstein errichtet.